Pflegekraft im Pflegeheim der Zukunft mit mehr Zeit für den menschlichen Kontakt dank smarter IT-Loesungen

Zeitdruck entzerren: So kann das Pflegeheim der Zukunft die Situation der Pflegekräfte verbessern

Sascha Platen, CEO von AssistMe – 23. März 2021

In Deutschland sind laut Statista 4,3 Millionen Menschen pflegedürftig. 2019 waren in Deutschland 1,7 Millionen Pflegekräfte in der Kranken- und Altenpflege sozialversicherungspflichtig beschäftigt, wie Erhebungen der Agentur für Arbeit zeigen. Zu wenige: Bei Altenpflegefachkräften besteht ein Fachkräftemangel, ähnlich sieht es bei Krankenpflegefachkräften aus. Allein im vergangenen Jahr hat die Pflegebranche mehr als 9.000 Beschäftigte verloren. Das kommt nicht von ungefähr: Die Arbeitsbedingungen im Pflegebereich sind hart – Nachtschichten, Überstunden, körperlich und emotional extrem fordernde Situationen, umfassende Dokumentationspflichten und ein straffes rechtliches Korsett gehören zum Alltag. Wer in Deutschland im Pflegebereich arbeitet, kämpft an vielen Fronten. Hinzu kommt das Thema Verdienst: Mit rund 2.400 Euro brutto verdienen Pflegekräfte weit unter dem deutschen Durchschnittsbrutto von rund 4.000 Euro. Und die Anerkennung in der Gesellschaft lässt ebenfalls mehr als zu wünschen übrig. Stellschrauben, an denen langfristig nur Politik und Gesellschaft drehen können.

Dennoch gibt es Ansatzpunkte, den Arbeitsalltag von Pflegekräften komfortabler zu gestalten. Das Pflegeheim der Zukunft, für deren Entwicklung AssistMe und andere Unternehmen sich engagieren, spielt dabei eine entscheidende Rolle. Denn digitale Lösungen haben das Potenzial, die Arbeit der Pflegekräfte zu erleichtern und gleichzeitig die Qualität der Pflege zu erhöhen. Das kann die Tätigkeit in der Pflege nachhaltig verbessern.

Pflege digitalisieren – und ihre Dokumentation!

Ein großes Problem für Pflegepersonal ist der Mangel an Zeit: Zeit, die sie vielfach für Routineaufgaben aufwenden müssen, statt wirklich Luft für die menschliche Komponente der Pflege zu finden. Das zehrt. Technologie kann hier ein probates Mittel sein, das Tätigkeitsspektrum zu entzerren. Ein Beispiel sind administrative Tätigkeiten: Denn ein wesentlicher Teil des Arbeitsalltags entfällt auf rechtlich erforderliche Dokumentationsaufgaben, die oftmals noch – man glaubt es kaum – per Stift und Papier erledigt werden: Ausgefüllt werden muss etwa das Biografieblatt. Oder der Durchführungsnachweis, in dem die erfüllten Pflegeleistungen aufgezählt werden. Dieser hohe manuelle Dokumentationsaufwand verschärft den ohnehin bestehenden Zeitdruck zusätzlich. Digitale Dienste, mit deren Hilfe per Smartphone oder Laptop Tätigkeiten eingetragen oder automatisch festgehalten werden, können hier enorme Erleichterung schaffen – sowie Zeit und Ruhe für den Kontakt mit den Pflegedürftigen.

Informationen sind so zudem übersichtlich an einem Ort gebündelt und leichter für die beteiligten Akteure greifbar. Das stärkt auch die Zusammenarbeit im Team – und erleichtert zudem die präventiven Aspekte der Pflege. Auch Dienstpläne, die oft noch in Papierform erstellt werden, lassen sich so unkompliziert gestalten, ändern und teilen. Sogar mit Spracherkennung und Sprachsteuerung statt schreiben oder tippen könnte künftig gearbeitet werden.

Smarte Sensoren erkennen Positionswechsel und Körperfunktionen

Gerade Routineaufgaben können über Technologie aufgefangen werden – auch zum Wohl der Patienten. So findet das Internet der Dinge Anwendung in der Pflege – und kann dazu beitragen, die Arbeit für Pflegende einfacher zu gestalten. Mit intelligenten Sensoren beispielsweise lassen sich Körperfunktionen aufzeichnen, an eine Plattform übertragen und auswerten. Das ist besonders interessant im Bereich der Dekubitusprävention oder dem Inkontinenzmanagement. Beide Bereiche erfordern normalerweise häufige Kontrollgänge, um dem Patienten die bestmögliche Versorgung zu bieten.

Unterstützende Dekubitusprävention, smartes Inkontinenzmanagement

Jährlich treten ca. 60.000 neue Fälle von Dekubitus, also Druckgeschwüre, in Pflegeeinrichtungen auf. Deren Prävention, aber auch die Pflege gestaltet sich sehr aufwendig. Denn Menschen, die länger in derselben Position liegen, sind fast vollständig auf die Hilfe von Pflegekräften angewiesen. Doch nicht immer ist die erforderliche Frequenz der Kontrollgänge möglich, wobei sie so wichtig sind. Wird der Positionswechsel nicht ausreichend vollzogen, leiden Betroffene unter starken Schmerzen – Dekubitus kann im schlimmsten Fall nicht nur gerötete Hautstellen und Schwellungen hervorrufen, sondern zu offenen Geschwüren bis hin zum vollständigen Haut- und Gewebeverlust führen.

Internetfähige Liegesensoren, die der Patient mit einem Clip am Körper trägt, erkennen Bewegung, erinnern an Positionierungsbedarf und dokumentieren Positionswechsel. Der Pflegebedarf wird auf diese Weise durchgehend analysiert, aktualisiert und dem Pflegenden mitgeteilt. Statt ein Check-in auf Geratewohl, werden Pflegeprozesse optimiert und individuell an die Bedürfnisse einzelner Patienten angepasst.

Viele Pflegebedürftige leiden zudem unter Inkontinenz. Routinekontrollen durch Pflegepersonal stellen hier sicher, dass das aufsaugende Hilfsmittel frisch bleibt. Bisher sind das nötige Arbeitsschritte, um das Wohlbefinden des Patienten zu gewährleisten – sie bedeuten allerdings auch einen Zeitaufwand für das Pflegepersonal. Auch hier können smarte Sensoren unterstützen: Dabei erkennt ein Sensor Clip am Inkontinenzprodukt, wenn dieses ausgelastet ist und informiert das Pflegepersonal umgehend. Auf diese Weise ist ein umfassendes Inkontinenzmanagement gewährleistet, zugleich erfolgt dieses bedarfsgerecht und schafft somit den Pflegenden Luft für andere Tätigkeiten.

Pflege digitalisieren – und weiterentwickeln

AssistMe und andere arbeiten mit Nachdruck daran, Technologien zu entwickeln, die den Arbeitsalltag von Pflegekräften erleichtern und eine menschlichere Pflege sowohl für die Patienten als auch die Angestellten zu ermöglichen. Dabei geht es nicht darum, viele verschiedene Einzellösungen zu entwickeln – wir möchten eine Plattform für die Pflege etablieren, an die Pflegeheimbetreiber individuell diejenigen Lösungen andocken können, die für sie relevant und wertschöpfend sind. Langfristig kann Technologie dazu beitragen, den Pflegeberuf zu reformieren und letztlich attraktiver zu gestalten. Nämlich genau dann, wenn auch Zeit und Luft für einen zentralen Aspekt der Tätigkeit bleibt – der emotionale Kontakt zum Menschen.

Sascha Platen, CEO von AssistMe – 23. März 2021